Scheurebe

Scheurebe

Die Abstammung der Scheurebe ist eine Kreuzung von Silvaner x Riesling. Silvaner spielte bei der «Zeugung» die Mutterrolle, der Riesling die Vaterrolle. Manche Weinfreunde schliessen aus dieser Abstammung, dass die Scheurebe dann doch eigentlich dem Müller-Thurgau gleich sein müsse, da dieser ja nach offizieller Version auch ein Kind von Riesling und Silvaner ist. Diese Überlegung ist jedoch biologisch falsch. >
Geschwisterpflanzen können aus einer Rebenkreuzung in ihren Eigenschaften und in ihrem äusseren Erscheinungsbild durchaus verschieden sein. Durch die Neukombination der Gene entstehen eben unterschiedliche Typen. Ausserdem wird ja die RieslingxSylvaner Herkunft des Müller-Thurgau bezweifelt.

Ursprung

Die Scheurebe ist eine Züchtung der Rheinland-Pfälzischen Landesanstalt für Rebenzüchtung in Alzey/Rheinhessen. Der Altvater und Begründer der dortigen Zuchtarbeit, Georg Scheu, führte die Kreuzung im Jahr 1916 an der seinerzeitigen Hessischen Rebenzuchtstation in Pfeddersheim bei Worms durch. Der aus dieser Kreuzung entstandene Sämling Nr. 88, bzw. der vegetative Nachbau dieser Sämlingspflanze, ist die heutige Scheurebe. Nach langjähriger Erprobung im Zuchtbetrieb wurde die neue Sorte 1936 erstmals in Versuchen bei Winzerbetrieben gepflanzt. Ihre Förderer verfielen damals auf die Idee, den Landesbauernführer des Hitler-Reiches als Namenspatron zu wählen. Man taufte deshalb die Neuzucht «Dr. Wagner-Rebe». Als das «1000jährige; Reich» vorzeitig zu Ende ging, sah man sich gezwungen, diesen Namen eiligst wieder fallen zu lassen. Fortan war die neue Sorte unter dem früheren Namen Sämling 88 oder S 88 bekannt. 1955 wurde dann die inzwischen weit verbreitete Zuchtsorte nach ihrem Züchter getauft und ein Jahr später für das Land Rheinland-Pfalz patentrechtlich geschützt.

Eigenschaften

Die Scheurebe wächst ziemlich kräftig und bringt im allgemeinen höhere Erträge als der Riesling. Das Reblaub bleibt im Spätherbst lange grün und überlebt sogar leichte Frühfröste. Mit ihrem robusten Laub kann die Scheurebe noch die letzte spätherbstliche Sonne nutzen, und sie in Zucker und qualitätsträchtige Aromastoffe ummünzen. An die klimatische Güte der Reblagen stellt die Scheurebe fast so hohe Ansprüche wie der Riesling, denn die Weine entwickeln nur bei voller Traubenreife das Scheurebeeigene Bukett in vollendeter Feinheit. Bezüglich der Rebböden ist die Scheurebe eher bescheiden. Ihre Stärke liegt allerdings darin, dass sie auf sehr kalkhaltigen Mergelböden weniger als andere Sorten von der durch Eisenmangel verursachten Blattvergilbung (Chlorose) befallen wird.

Reife, gelungene Weine der Scheurebe zeigen eine rassig-elegante Säure und ein typisches, an schwarze Johannisbeeren erinnerndes Bouquet, das von einigen Weinfreunden hoch geschätzt, von anderen aber abgelehnt wird. Wer es liebt, einfache, neutrale Weine zu trinken, wird am Scheurebe-Wein keinen Gefallen finden. Wer zu einem Anlass einen besonderen Wein anbieten möchte, liegt mit einer hochreifen Scheurebe Spätlese oder Auslese richtig. Aufgrund der stabilen Säure durchlaufen Scheurebe-Weine im allgemeinen eine positive Entwicklung bei langjährigem Lager auf der Flasche.

Bedeutung

In der Schweiz ist mir bekannt, das in sehr kleinem Umfang in den Kantonen Genf, Zürich und Schwyz  angebaut wird. Hauptanbaugebiete der Sorte sind Rheinhessen und Rheinpfalz. in Europa gering, etwas in Österreich (Steiermark) Bedeutung weltweit gering, etwas in Kalifornien.

Quelle: Farbatlas Rebsorten, Ulmer
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